Type Together

von Veronika Burian

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José und ich trafen uns an der University of Reading, während wir unsere Magister in Type-Design abschlossen. José war ein Jahr unter mir, kam aber bereits im Sommer nach Reading, als wir unsere Projekte beendeten. Wir lernten uns ein bisschen kennen und sprachen darüber, irgendwann einmal unsere eigene Schriftschmiede zu betreiben, aber ohne ernsthaft Pläne zu beschließen. Wir hielten Kontakt während José sein Magisterstudium beendete und Anfang 2006 ergab sich eine Gelegenheit, gemeinsam an unserem ersten Schrift-Projekt zu arbeiten: Karmina.

[Bild: Fotografie einer Seite gesetzt aus der Karmina]

Die Idee zur Karmina entwickelte sich aus Josés Dissertation über die Probleme, die sich beim Drucken auf verschiedene Trägermedien ergeben. Der Antrieb, die Schrift fertig zu stellen, war der Wettbewerb TiposLatinos, der jährlich von einer Gruppe argentinischer Designer organisiert wird.

[Bild: Schriftschnitte der Karmina]

[Animation: Wandel von der Karmina zur Karmina Sans]

[Bild: Mustertext gesetzt aus der Karmina Sans]

Wir feilten weiter an Karmina und beschlossen, zusammen zu arbeiten und eine unabhängige Schriftschmiede mit dem Namen TypeTogether aufzubauen. Im ersten Jahr arbeiteten wir beide Vollzeit, daher war TypeTogether nur ein Neben-Projekt. Dessen ungeachtet nutzten wir unsere Freizeit, um einige Schriftideen, eine Webseite und ein Vertriebsnetz zu entwickeln. TypeTogether wuchs stetig zu einem ernsthaften Unterfangen und leistet nun anderen bekannten Schriftschmieden Gesellschaft. Von Anfang an bestand unser Interesse darin, innovative und elegante Lösungen alter Probleme für den professionellen Schrift-Markt zu finden. Unser Augenmerk lag dabei auf dem Editorial-Bereich. Das ist das dankbarste und faszinierendste Gebiet für uns. Hier steht man den größten Herausforderungen gegenüber: Schriften zu schaffen, die sich durch gute Leserlichkeit auszeichnet, aber auch ein hohes Maß an Persönlichkeit besitzen. Neben unserer Schrift-Bibliothek für den Einzelhandel bietet TypeTogether auch kundenspezifische Modifikationen und eigens angefertigte Schriften an; diese können ein wichtiges Element im Erscheinungsbild des Unternehmens sein, indem sie ein Herausstellungsmerkmal bieten.

[Bild: Minuskeln mit diakritischen Zeichen gesetzt aus der Adelle]

[Bild: Schriftschnitte der Adelle]

Die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, ist, wie wir zusammen arbeiten. Ich würde sagen, unsere Geschäftsbeziehung fußt auf Vertrauen, Wertschätzung, kompatible Fähigkeiten und Interessen. Natürlich sind Skype und E-Mail ebenso unerlässlich. Bezüglich des Arbeitsprozesses diskutieren wir, welche Art von Schrift wir entwickeln wollen, welche Richtung wir einschlagen wollen, wie viele Schnitte erstellt werden sollen, welche Proportionen eine Schrift haben soll und so weiter. Dann beginnen wir beide einige Ideen zu skizzieren. Wir geben uns gegenseitig Feedback, senden die Dateien hin und her und entscheiden gemeinsam, wie wir auftretende Probleme lösen. Wenn es um die Produktion und den Ausbau des Zeichensatzes geht, teilen wir uns die Arbeit je nach unserer eigenen Arbeitsbelastung. Manchmal holen wir uns Hilfe, wenn es zu stressig wird.

[Bild: Seite aus dem Typodarium gesetzt aus der Bree]

[Bild: Besondere Merkmale der Bree]

[Animation: Alternative Formen der Bree]

[Bild: Mustertext gesetzt aus der Bree]

Neben unseren eigenen Schriften, haben wir auch einige großartige Schriften von anderen Designern aufgenommen. Ziel war es, eine gemeinsame Grundlage für eine intensive Zusammenarbeit zu bieten. Damit entstand ein reichhaltiges Forum für den anregenden Austausch von Ideen und Wissen. Zunächst fragten wir einige unserer Klassenkameraden aus Reading, ob sie bei uns veröffentlichen wollten und alle sagten zu. Teilweise halfen wir ihnen, ihre Entwürfe fertig zu stellen und bereiteten die Font-Dateien für die Veröffentlichung vor, das heißt wir prüften die technischen Aspekte, wie zum Beispiel das Testen der Schrift oder die Open-Type-Programmierung. Mit der Zeit und wachsender Bekanntheit erhielten wir viele Schriftentwürfe von anderen Designern, die daran interessiert waren, ihre Arbeit bei uns zu veröffentlichen. In einigen Fällen gingen wir auf bestimmte Designer zu, weil wir ihre Arbeiten gut finden.

Unser Maßstab für Entwürfe anderer Schriftschöpfer sind die ästhetische und technische Qualität des Designs. Entscheidend ist auch, ob die Schrift in unsere Schrift-Bibliothek passt. Die Qualität unserer Arbeit wurde bereits in mehreren internationalen Wettbewerben anerkannt, darunter der des Type Directors Club (TDC) und die europäische Design-Auszeichnung (ED-Awards).

Weiterführender Verweis

Typetogether