Breitkopf-Fraktur

»Die Breitkopf ist jene Schrift, die der allgemeinen Vorstellung von einer Fraktur am nächsten kommt.« Albert Kapr

Die Breitkopf-Fraktur geht auf die Neudörffer-Andreä-Fraktur zurück. Auf diese Schrift stieß Breitkopf bei der Lektüre von Albrecht Dürers »Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt«. Er hielt diese Type für die klassische Fraktur. Der Breitkopf-Fraktur sieht man an, dass sie vom Schreiben mit der Feder kommt. Die Haltung des gedachten Federzugs ist bei fast allen Buchstaben um 45 Grad geneigt. Die Majuskeln B, M, N, P, R, V und W besitzen den sogenannten Elefantenrüssel. Wie beim Vorbild, der Neudörffer-Andreä-Fraktur, entwächst dem Versal-A kein solcher Rüssel. Die Oberlängen der Minuskeln b, h, k und l sind tief geschnäbelt. Die Rauten am Schaftfuß der Minuskeln sind eingekehlt.

1899 wurde die Breitkopf-Fraktur von Klingspor in Offenbach am Main neu gegossen. Danach boten auch andere Gießereien sie als Hausschnitt an. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Breitkopf-Fraktur in Deutschland die meist genutzte Fraktur. Heute liegen Digitalisierungen von ProFonts, Red Rooster, URW++, Dieter Steffmann, Delbanco, MacCampus und zwei Versionen von Gerhard Helzel vor. Die Schnitte von ProFonts, Red Rooster und URW++ wurden von Ralph M. Unger digitalisiert und stimmen überein. Die Breitkopf von Steffmann ist ein Free-Font. Die Version von MacCampus und die Andersen-Nexö-Variante von Helzel weichen teilweise stark vom Original ab. Die Breitkopf-Fraktur von Gerhard Helzel bietet einen Automatismus, mit dem sich fast automatisch richtiger Fraktursatz bewerkstelligen lässt. Während des Tippens wandelt die Open-Type-Schrift zum Beispiel das s in die richtige Form: Lang-ſ am (Teil-)Wortbeginn oder in der (Teil-)Wortmitte; Rund-s am (Teil-)Wortende.

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von URW++]

Zur Person

Johann Gottlob Immanuel Breitkopf erblickte am 23. November 1719 in Leipzig das Licht der Welt. Er studierte an der Universität Leipzig. 1739 wurde er Buchdruckergeselle. Auf Wunsch seines Vaters leitete er ab 1745 dessen Druckerei in Leipzig. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt aus fünf Druckpressen. Später kamen weitere vier Pressen hinzu. Das Offizin verfügte über vierhundert Alphabete als Stempel und ebenso vielen Matrizen. Breitkopfs Spielkarten-Manufaktur fertigte 37 verschiedene Kartenspiele. Er besaß eine Manufaktur, die Buntpapiere herstellte. In seiner Stempelschneiderei, Schriftgießerei und Druckerei waren über 170 Leute angestellt. 1750 erschuf er die nach ihm benannte Fraktur. 1754 entwickelte er ein System zum Druck von Musiknoten. Bis dahin wurden Musikstücke zumeist handgeschrieben oder in Kupfer gestochen. Breitkopf ersann ein Verfahren, nach dem teilbare und bewegliche Notenlettern samt Teillinien gesetzt und gedruckt werden konnten. Dieser effiziente Notensatz fand weithin Beachtung. Breitkopf versuchte sich auch im Druck von typographischen Landkarten und schnitt sogar chinesische Lettern. 1777 verfasste Breitkopf das Buch »Nachricht von der Stempelschneiderei und Schriftgießerei«. 1793 veröffentlichte er »Über Bibliographie und Bibliophilie« und »Buchdruckerei und Buchhandel in Leipzig«. Johann Gottlob Immanuel Breitkopf verstarb am 28. Januar 1794 in Leipzig.

Weiterführende Verweise

Delbanco
Helzel
MacCampus: Breitkopf-Fraktur
ProFonts: Breitkopf-Fraktur
Veer: Red Rooster Breitkopf-Fraktur
Typoasis: Steffmann Breitkopf-Fraktur
Faces: URW++ Breitkopf-Fraktur

Schriftmuster

[Bild: geschnäbelte Oberlänge und Elefantenrüssel]

Schriftmuster der Original-Breitkopf-Fraktur der Schriftgießerei H. Berthold, Leipzig
[Bild: Schriftmuster der Original-Breitkopf-Fraktur der Schriftgießerei H. Berthold, Leipzig]

Zeichensätze der digitalen Breitkopf-Frakturen

Breitkopf-Fraktur von ProFonts
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von ProFonts]

Breitkopf-Fraktur von Red Rooster
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von Red Rooster]

Breitkopf-Fraktur von URW++
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von URW++]

Breitkopf-Fraktur von Steffmann
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von Steffmann]

Breitkopf-Fraktur von Delbanco
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von Delbanco]

Breitkopf-Fraktur von Helzel
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von Helzel]

Breitkopf-Fraktur von Helzel (Andersen-Nexö)
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von Helzel (Andersen-Nexö)]

Breitkopf-Fraktur von MacCampus
[Bild: Zeichensatz der Breitkopf-Fraktur von MacCampus]

Buchstabenvergleich

Grundbuchstaben der Breitkopf-Fraktur von ProFonts, Red Rooster, URW++, Steffmann, Delbanco, Helzel, Andersen-Nexö (Helzel) und MacCampus (von links nach rechts)
[Bild: Grundbuchstaben der Breitkopf-Fraktur von ProFonts, Red Rooster, URW++, Steffmann, Delbanco, Helzel, Andersen-Nexö (Helzel) und MacCampus im Vergleich]

Glyphenansicht des Minuskel-g

Breitkopf-Fraktur von URW++

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von URW++]


Breitkopf-Fraktur von ProFonts

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von ProFonts]


Breitkopf-Fraktur von Red Rooster

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von Red Rooster]


Breitkopf-Fraktur von Helzel

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von Helzel]


Breitkopf-Fraktur von Delbanco

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von Delbanco]


Breitkopf-Fraktur von Steffmann

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von Steffmann]


Breitkopf-Fraktur von MacCampus

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von MacCampus]


Breitkopf-Fraktur von Helzel (Andersen-Nexö)

[Bild: Minuskel-g aus der Breitkopf-Fraktur von Helzel (Andersen-Nexö)]