Zur Person

Georg Salden wurde 1930 in Essen geboren. Von 1950 bis 1954 studierte er an der Folkwang-Werkkunstschule, Essen. Danach war er bis 1972 im eigenen Büro als Werbegrafiker für Industrie und Kultur tätig. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war er Dozent für Schrift an der Folkwangschule, Essen. Seit 1972 entwarf er an die vierzig Schriftfamilien mit mehr als 250 Garnituren. Er war Gründungsmitglied der Context Gesellschaft für Satztechnik und Typografie. Dort bot sich ihm die Möglichkeit im Vollzeitjob Schriften zu entwerfen. Seit 1995 vermarktet Salden seine Schriften unabhängig. 2003 gründete er das Schriftlabel TypeManufactur.

Fragen & Antworten

Wieso Typografie? Wodurch erwachte Ihr Interesse an der Schriftkunst?

es ging mir zunächst 1940, im alter von 10/11 jahren, nicht um Typografie sondern um Schriftschreiben (nicht Kalligrafie, die ja mehr dem Eisballet verwandt ist). ich fand schrift-studienblätter meines 1934 emigrierten Onkels Helmut Salden, der lehrer für Fotografie an der Folkwangschule war. ab da übte ich schrift zunächst autodidaktisch und fürchterlich, angewandt auch für kleine, kleinste anlässe.

ich habe nach dem Abitur vor dem studium an der Folkwangschule ein mehrmonatiges Praktikum in einen Druckerei gemacht, speziell auch Blei-Handsatz. später habe ich viele typografische feinheiten bei Helmut Salden kennengelernt, der nach 1946 in den Niederlanden wesentlich für verleger tätig war.

Wer sind Ihre typografischen Vorbilder?

da haben Sie auch mein Vorbild. verständigere, genauere und harmonischere Typografie, als er mit Bleisetzern! machte, habe ich nirgendwo erlebt.

Welches Buch zum Thema Typografie haben Sie zuletzt gelesen? Welches würden Sie weiterempfehlen?

wenig Bücher-weisheiten. natürlich lese und sehe ich mehr zufällig etwas (zB bei Tschichold). Regelwerk ist beim umgang mit digitaler Satzschrift schwieriger geworden, weil sie oft unterschiedliche grundlagen (Größe, Vor- und Nachbreiten, Laufweite, Kerning) hat. wenn man hört, daß es mittlerweile acht unterschiedliche Fassungen der »Futura« gibt, ist eine nur namentliche empfehlung kaum hilfreich. um eine schrift gut anzuwenden, muß man sie längere zeit duzen.

Wenn Sie eine Schrift sein könnten, welche Schrift wären Sie gerne?

ich möchte keine schrift sein, weil ich dann jeden gedruckten Unsinn weitertragen müßte, und weil schriften heute häufig nicht mehr ihren wirklichen Vater kennen.

Greifen Sie zu Beginn des Schriftschöpfens zur Feder oder zur Maus?

ich greife zum Bleistift oder ähnlich spitzem schreibzeug. später dünne, spitze Pinsel, Stahlfedern, Filzstifte usw. zum schwarz machen. Deckweiß.

wenn ich beim entwurf von spitzem Gerät spreche, müßte man auch die Größe der entwürfe vor sich sehen. die haben eine Versalhöhe zwischen 5 mm und höchstens 20 mm.

Mit welchen technischen Hilfsmitteln arbeiten Sie? Welchen Scanner, welchen Drucker, welchen Computer, welches Betriebssystem, welche Programme nutzen Sie?

was an den Mac paßt. hand-digitalisiert und bearbeitet werden die buchstaben an einer uralten VAX von Develop. ich generiere mit DataMaster von URW/Blockland. Ludwig Übele überprüft, finalisiert und featurted die OTF.

Sind Sie Messie oder Purist? Horten sich auf Ihrer Festplatte 2.456.891 Fonts oder sind Garamond, Bodoni, Frutiger und Futura mehr als genug?

eigentlich und selten im auftrag typografiere ich nur mit eigenen Schriften, etwa dreißig, (natürlich hunderte von fonts).

Wenn Ihr Font-Ordner nur Platz für zehn Schriften hätte, welche wären das?

Polo, Axiom, Brasil, Gordon, Essenz, Turbo, Rolls, Tap, Zitat, Dalli.

In Typo-Kreisen werden Comic Sans und Arial gebannt. Welche Schrift darf auf keinen Fall auf Ihren Rechner?

schriften mit hochgeteilten M, gekreuzten K und Krückstock-el (Jugendstil 1890). bei Sansserif auch versale I (i) mit querbalken.

Welcher Buchstabe ist Ihr Liebling? Mit welchem Buchstaben fangen Sie an, wenn Sie eine Schrift entwerfen?

kein Lieblingsbuchstabe. alle sind gleichberechtigt und gleich wichtig. keiner soll eine mir schon aus anderen schriften bekannte Identität haben. weil solche Originalität in unserer globalen welt nicht objektiv zu beweisen ist, verlasse ich mich darauf, daß nur sorgfältige eigene Handarbeit persönliche produkte schafft. derartige Handzeichnung wird heute oft mit »Zeichnen am Rechner« verwechselt.

Wie kamen Sie auf den Namen für Ihre erste Schrift?

sehr oft im gespräch mit meiner frau am Eßtisch. Sie ist Malerin, auch mit Folkwang-studium. am Eßtisch treffen wir uns vor, nach und zwischen unseren festen täglichen Arbeitszeiten. übrigens wurde der name »Polo« gewählt, bevor das gleichnamige Auto auf den markt kam.

Schmieden Sie Pläne für eine nächste Schrift?

immer.

Haben Sie schon einmal einen Buchstaben in Stein gemeißelt?

in Stein nicht, früher manchmal in Holz oder Linol geschnitten.

Vielen Dank für das Interview!

Weiterführender Verweis

TypeManufactur

[Thomas Kunz, 2011-01-05]